GREEN SCREEN ’19 – Ein voller dritter Tag mit technischen Problemen

Liebe Naturfilmfreunde, der dritte Tag versprach äußerst interessant zu werden. Gleich vier Filme standen auf dem Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Den Auftakt machte die Dokumentationen Die Erde – Ein Planet im Portrait: Luft. Im Anschluss schauten wir einen Beitrag zum Thema Delphine in Taiwan, gefolgt von einem kritischen Film zum Torfabbau in trockengelegten Mooren. Aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht, dass Letzteres bereits bei den Eckernförder Gesprächen auf dem Programm stand. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgte zum Schluss noch der Film Ars Natura, auf den ich im Vorfeld äußerst gespannt war. Zumindest betrat ich die Spielstätte noch in freudiger Erwartung …

Green Screen, Tickets Tag 3

Die Erde – Ein Planet im Portrait: Luft

Die Produktionsfirma Terra Mater hat mit ihrem dritten Teil der Trilogie Die Erde – Ein Planet im Portrait eine kurzweilige Bilderwelt zum Thema Luft geschaffen, die diverse Aspekte der Luft beleuchtet. Über verschiedene Vogelarten, Fledermäuse und anderes fliegendes Getier bis hin zum Aufbau unserer Atmosphäre mit ihren vier Stockwerken, der Troposphäre, Stratosphäre, Mesosphäre und Thermosphäre. Die eindrücklichen Bilder von Wolkenwelten und Wetterphänomenen wie dem Aurora borealis und den teils spannenden Fakten, wie der großen Reise eines kleinen Schmetterlings von Nordeuropa nach Zentralafrika.

Terra Mater produziert sehr viele Naturfilme und recycelt einiges an Material immer wieder für verschiedene Dokumentationen. Auch in diesem Beitrag gab es daher die eine oder andere bekannte Aufnahme zusehen. Dem aufmerksamen Servus-TV-Schauer wird dies mit Sicherheit nicht entgangen sein.

Derzeit können sich zumindest Schweizer die Dokumentation in der Mediathek des SRF ansehen.

The Custodian of the Dolphins

Die taiwanische Produktion lockte mich durch Ihre Beschreibung im GREEN SCREEN Programm. Leider war die gewählte Spielstätte nicht ideal. Der Film wurde in der Originalfassung ausgestrahlt. Ein englischsprachiger Erzählter führte durch die Story. Interviews und Wortbeiträger heimischer Forscher sollten per Untertitel von der Landessprache ins Englische übersetzt werden. Leider fehlten die Untertitel aufgrund technischer Schwierigkeiten. Elementare Informationen des Film konnte so natürlich nicht vermittelt werden. Meine Bewertung des Films kann ich daher auch nur auf Basis der 50 % des Films vornehmen, die ich auch verstandenen habe.

Ein Drittel aller Wal- und Delphinarien finden sich in den Gewässern um Taiwan. Es gibt sowohl wandernde als auch ortstreue Arten. Oft geraten die Vorlieben der Delphine für einen bestimmten Lebensraum mit den Wünschen und Bedürfnisse der Menschen in Konflikt. Der Film begleitet drei Forscher, die den Zustand der drei taiwanesischen Hauptarten untersuchen.

Die Aufnahmen verschiedener Walarten in ihrem natürlichen Element sind natürlich meistens ihren Speicherplatz wert. Einige Arten kann ich auch noch nicht. Beispielsweise den Chinesischen Weißen Delphin (Taiwanese Humpback Dolphin), auch Panda der Meere genannt oder den Gestreiften Delphin alias Sandwich-Delphin. Um Taiwan hat sich sogar eine eigene Art des Weißen Delphins entwickelt, die auf der Welt einzigartig ist. Leider ist sie bereits vom Aussterben bedroht, so wie die meisten gezeigten Delphinarten. Vermehrt kommt es an den Stränden offenbar auch zu Strandungen von Glattschweinsalen (Finless Porpoise).

Der Film wäre sicher spannender und informativer gewesen, hätte man ihn in Gänze verstehen können. So bleiben eben einige Fragezeichen zurück.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lgZ11I8sc80

45 Min – Unser Torf: Klimakiller aus dem Moor

Zu Beginn des Beitrages gab es gleich die erste erfreuliche Überraschung. Susanne Brahms, eine der Regisseurinnen, war tatsächlich anwesend uns stand am Ende für Fragen bereit.

Die Dokumentation selbst war mir ja bereits durch die bei den Eckernförder Gesprächen gezeigten Ausschnitten vertraut. Es kamen sowohl Biologen, Torf-Produzenten und Landwirte als auch Umweltschützer zu Wort. Es war also eine breite Palette an Meinungen vertreten. Was zum Ende hin zwar den Eindruck einer informativen Zeit vermittelte, aber dennoch kein klares Schlusswort zuließ. Einig waren die Protagonisten jedoch darin, dass der Torfabbau an sich schädlich für die Umwelt ist. Während sich die Torf-Produzenten rausredeten und steigende Umweltstandards sowie eine anschließende, zumindest in Deutschland verpflichtende, Renaturierung bzw. Rekultivierung ins Feld führten, stand für die Gärtner fest, ohne Torf geht es einfach nicht. Die Fakt, dass es vielversprechende Alternativen gibt, konnte hier nur eine kleine Hoffnung wecken. Was auch klar wurde, es handelt sich hier um den traditionellen Kampf von Umweltschutz gegen Ackerbau.

Die Dokumentation ist zusammen mit Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle und Saat der Gier für den GREEN REPORT nominiert. Der Preis ist mit 2.500,- Euro dotiert und vom NABU gestiftet.

Derzeit stellt der NDR die Dokumentation zum Anschauen zur Verfügung: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/video-podcast/Unser-Torf-Klimakiller-aus-dem-Moor,minuten2904.html

Ars Natura

117 Minuten Film, völlig unkommentiert, nur Naturaufnahmen und Musik als Untermalung. Während meines Studiums hatte ich mir schon einmal einen solchen Film angeschaut und war relativ begeistert. Mir gefiel die Machart, die Art wie mit der Musik und den Bildern gespielt wurde. Es brauchte keinerlei Text, um die Botschaft des Films zu vermitteln. Der Film von damals hieß Koyaanisqatsi, der erste Teil der Qatsi-Trilogie. Er war der ausschlaggebende Grund, weswegen ich mir den Film Ars Natura anschauen wollen. (Koyaanisqatsi steht übrigens auf diversen Kanälen noch für lau zum anschauen zur Verfügung. Allerdings sei gesagt, der Film ist von 1982, daher sind unsere Augen mit der gebotenen Bildqualität vielleicht nicht immer so einverstanden. Ich verlinke euch den Film mal am Ende des Beitrages.)

4K-Produktion mit Pixeln

Ars Natura hat meine Erwartungen leider überhaupt nicht erfüllt. Der von Hans Leysieffer in 4K produzierte Film konnte im Rahmen des GREEN SCEEN Festivals nur in schlechter Qualität gezeigt werden. Da der Film als 4K-Produktion angekündigt wurde, erhoffte ich mir selbstverständlich eine entsprechende Klarheit der Bilder. Hiervon war dann jedoch rein gar nichts zu sehen. Wäre im Vorfeld bekannt gewesen, dass die Qualität nicht mal HD entspricht, hätte ich mir wohl einen anderen Film ausgesucht. Mich haben die groben Pixel der Aufnahmen nämlich sehr gestört, so dass ich mich nicht, wie vom Produzenten gewünscht „einfach fallen lassen“ konnte. Einen, durch seine eckige Form, wackelnd über das Bild ruckelnden Mond brauche ich mir nicht minutenlang anzusehen. Das schien jedoch auf die meisten übrigen Anwesenden des Abends nicht zuzutreffen. Viele fanden den Film gut und lobten im Anschluss den Mut einen derartigen Film ganz ohne Kommentare herauszubringen. Da wären wir dann wieder bei meinem zu Beginn erwähnten Film Koyaanisqatsi und der Feststellung, dass es sich hier nicht um eine Weltneuheit handelt.

Gewöhnungsbedürftige Komposition

Der Regisseur kann selbstverständlich nichts für die schlechte Qualität von Beamer und Leinwand, allerdings lag die Gestaltung des Werks allein in seiner Hand. Die ausgewählten Bildausschnitte wirkten teils wie zufällig gewählt und abgeschnitten, die Übergänge zwischen den einzelnen, wohl als Kapitel gedachten, Sequenzen wirkten undurchdacht. Unvermittelt wurde das Bild schwarz, um dann mit einer völlig anderen Musik, manchmal jedoch mit sehr ähnlichen Bildern, fortzufahren. Diese „Blackouts“ störten mein persönliches ästhetisches Empfinden sehr. Die angekündigte „geführte Meditation“ stellte sich so definitiv nicht ein. Auch die Auswahl der Musik wirkte an so mancher Stelle äußerst Fehl am Platz, zumal es keine Übergänge zwischen den einzelnen Musikstücken gab. Sie endeten einfach und ein neues Stück begann. Darüber hinaus wirkte es, als wiederholte sich die Musik mit Fortschreitens des Films – gleiches gilt übrigens auch für die Landschaftsaufnahmen. Der Regisseur filmte seine 117 Minuten Werk auch ledig in 3 oder 4 Ländern, mit von der Partie ganz Island. Da lässt sich eine gewisse Eintönigkeit der Bildwelten vielleicht nicht vermeiden. Mein Fall war dieser Film jedenfalls nicht.

Der Film Ars Natura ist übrigens neben Monkey Menace und Rodents of Unusual Size für die Beste unabhängige Produktion nominiert, ein ebenfalls mit 2.500,- Euro dotierter Preis.

Fun Fact

Der Produzent, Hans Leysieffer, ist ein Laie der sich mit der Produktion einen Kindheitstraum erfüllte. Andere Filmemacher hatten ihm bereits im Vorfeld und während der Fertigstellung gesagt, dass sein Film zu lang und die Musikauswahl möglicherweise unpassend sei. Aber der Schweizer lies sich nicht beirren und schaffte mit Ars Natura einen Brecher den man erst einmal durchstehen können muss.

Fazit des Tages

Ein durchwachsener Tag von dem ich immerhin zwei der vier Filme empfehlen würde. Zum einen die Dokumentation 45 Min – Unser Torf: Klimakiller aus dem Moor und zum anderen The Custodian of the Dolphins,  diese dann aber nur vollständig mit englischer Übersetzung 🙂

 


Koyaanisqatsi auf Vimeo: https://vimeo.com/21922694 (Viel Spaß beim Schauen! 📺 )


 

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