GREEN SCREEN ’19 – Der fünfte und letzte Tag

Hallo liebe Naturfilmfreude,

hier kommt nun mein Bericht zum fünften und letzten Tag des diesjährigen GREEN SCREEN.

Mit großen Schritten näherte sich das GREEN SCREEN 2019 seinem Ende. Der vierte und letzte Tag wartete noch einmal mit drei spannenden Filmen auf. Die Sonne – Inferno im All versprach neue Erkenntnisse über das Zentrum unseres Sonnensystems, Terra X: Die Ostsee – Junges Meer am Abgrund? interessante Einblicke in den aktuellen Zustand unserer „Badewanne“ und Trocken wir aus? Wie das Klima unsere Heimat verändert einen Ausblick in unsere Zukunft. Mein Highlight dieses Tages war …


Die Sonne – Inferno im All

Die Eigenproduktion der Terra Mater Factual Studios präsentierte eindrucksvolle Bilder unserer Sonne und spannende Fakten. Selbst für mich, deren Vorlesung zum Thema Sonne bereits einige Jahre zurückliegt, waren spannende teils auch neue oder wieder vergessen Aspekte dabei. Die Dokumentation nimmt Bezug auf Art und Weiser damaliger und heutiger Sonnenforschung, spricht Zyklen der Sonnenaktivität an und mögliche Einflüsse auf unser Klima.

Sehenswert mit einigen Lücken

Für meine Verhältnisse hätte an der einen oder anderen Stelle beispielsweise der Zusammenhang zwischen Sonnenflecken (bzw. keinen Sonnenflecken) und der Erwärmung (bzw. Abkühlungen) unseres Klima noch einmal detaillierter erklärt werden können. Ich sehe allerdings auch ein, dass der Film sich an ein breites Publikum richtet und zu viel Wissenschaft sich auf den einen oder anderen Zuschauer möglicherweise abschreckend auswirkt. Insgesamt handelt es sich aber um einen runden und sehenswerten Film. Wer möchte ist hinterher natürlich auch frei, sich weiter in die Thematik zu vertiefen. Lesestoffe findet man hierzu genug.

Terra X: Die Ostsee – Junges Meer am Abgrund?

Die Terra X Dokumentation versprach biologische, ökologische oder geographische Informationen rund um die Ostsee. Genau damit startet sie dann auch. Zunächst gibt es einen Abriss zur Entstehung der Ostsee und dem damit einhergehend Untergang einer Eiszeitwelt, die von Wollhaarmamuts und Wollnashörnern bevölkert wurde. Natürlich wird auch das Thema der Kontinentalwanderung nicht ausgespart. Nach einigen Einblicken in das Leben der Trottellumme taucht dann auch zum erstenmal ein Hinweis zum eigentlichen Thema des Beitrages auf. Denn die Ostsee hat ein (massives) Sauerstoff Problem. Durch ausbleibende Einstromereignisse aus der Nordsee kommt es vermehrt zur Bildung von Sauerstoffminimumzonen (Todeszonen). Später werden zu dieser Problematik auch noch einmal die Blaualgen (Cyanobakterien) ins Spiel gebracht. Diese vermehren sich in warmen Sommermonaten enorm. Sterben sie ab, sinken sie zum Meeresboden und werden zersetzt. Der Zersetzungsprozess verbraucht Sauerstoff, ist dieser aufgezehrt, entsteht das gifte Gas Schwefelwasserstoff.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Tauchtiefe der Trottellumme ein Indiz für das entstehen solcher Zonen darstellen kann. Das sich deren Beutefische aufgrund des Sauerstoffmangels in tieferen Bereichen, lieber weiter an der Wasseroberfläche aufhalten. Hier ist das Wasser noch besser mit Sauerstoff versorgt.

Ziemlich salzarm

Der Beitrag erläutert auch die Salzkonzentrationen in den verschiedenen Becken der Ostsee und was dies für einige dort lebende Tierarten bedeutet. Beispielsweise finden sich sich in der Ostsee sowohl Brack- als auch Süßwasserarten, da der Salzgehalt von NordOst (0,3 % bzw. 3 PSU) nach SüdWest (etwa 1,9 % bzw. 19 PSU) zunimmt.

Im Anschluss werden die einzelnen Becken der Ostsee vorgestellt. Hier zeigt sich dann auch, was alles geschehen muss, damit es in der Ostsee zu einem Anstieg des Sauerstoff und Salzgehaltes kommt. Im Gotlandbecken beispielsweise kommt das frische Wasser aus der Nordsee im Schnitt nur alle 5 bis 15 Jahre an, während das Wasser im Osten durch die vielen Zuflüsse praktisch immer salzarm bleibt. Damit überhaupt Wasser in die Ostsee fließt, muss kräftiger Ostwind erst einmal tagelang Wasser aus der Ostsee heraustreiben. Der Wind muss anschließend drehen und Nordseewasser in die Ostsee drücken. Dieses Wasser fließt dann am Meeresboden in die Ostsee hinein, da es kälter und salziger ist und somit schwerer.

Nun folgt ein kleiner Exkurs zur Ostseeringelrobbe, dem Fischadler sowie der Kurischen Nehrung und den dort lebenden Kormoranen. Leider folgt hierauf dann ein relativ langer Einschub zum Thema Wikinger, Haitabu und Handelswegen. Der danach folgende Hinweis zur Entstehung des Bernsteins ist da doch wesentlich interessanter. Auch wenn all diese Thema leider nicht mit dem Titel der Sendung zu tun haben.

Nährstofffrachten

Zum Schluss wird dann noch einmal die Problematik der Nährstofffrachten (Überdüngung) angesprochen. Durch die vielen Zuflüsse gerade im Osten sind die Stickstoff und Phosphatwerte für die Ostsee sehr hoch. Dirk Steffens stellt dem Zuschauer hier das Pilotprojekt Miesmuschelfarm vor. Mit Hilfe dieser kleinen Filtrierer können die überflüssigen Nährstoffe aus der Ostsee herausgeholt werden. Die Austern können anschließend wieder zu Dünger verarbeiten und der Kreislauf so geschlossen werden. Leider wachsen Miesmuschel im Brackwasser der Ostsee langsamer als in der Nordsee und nehmen auch weniger Nährstoff auf.

Was bleibt zum Schluss? Die Erkenntnis, dass es das jüngste Meer der Welt nicht leicht hat und es früher oder später (eher später …) unweigerlich vergehen wird. Ihm droht, wie die meisten Binnenmeeren, irgendwann die Verlandung.

Derzeit ist die Sendung noch in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Trocken wir aus? Wie das Klima unsere Heimat verändert

Die MDR-TV-Dokumentation Trocknet wir aus? Wie das Klima unsere Heimat verändert beleuchtet ungewöhnliche und extreme Wetterlagen, wie wir sie schon heute in Deutschland zu spüren bekommen. Anhaltende Trockenperioden im Frühjahr, lokale Starkregenereignisse mit teils schweren Überschwemmungen. Was bedeutet der Klimawandel für die Städte und Gemeinden in Deutschland und wie können sie sich gegen den Klimawandel wappnen? Die Reportage zeigt hier einige Möglichkeiten auf, beispielsweise Umbaumaßnahmen, die die Belüftung in Städten verbessern und die Hitze mindern oder Überschwemmungsgebiete in der Stadt, die bei Trockenheit anderweitig genutzt werden können. Darüber hinaus thematisiert die Dokumentationen auch einen Feldversuch, mit dem Forscher herausfinden wollen, wie wir künftig Landwirtschaft betreiben können. Auch der Frage nach der richtigen Begrünung unserer Städte wird nachgegangen. Denn unsere derzeitigen Stadtpflanzen und Straßenbäume leiden ebenfalls unter dem sich ändernden Klima.

Insgesamt enthielt der Film für mich persönlich nicht viele Neuigkeiten. Dennoch war der Beitrag sehr interessant, besonders die Szenen aus dem Freiluftexperiment. Auch fand ich die zu Beginn gezeigte Erklärung, warum es heute bei uns vermehrt zu Extremwetterlagen kommt, sehr gelungen. Ich hatte das Gefühl, das Aha!-Erlebnis im Saal förmlich spüren zu können – zumindest bei dem einen oder anderen 😉

Die Dokumentation steht momentan in der MDR-Mediathek zur Verfügung.

Warten auf 2020

Mit diesem letzten Film endet dann auch die diesjährige Berichterstattung zum Internationalen Naturfilmfestival GREEN SCREEN 2019. Es war wieder eine schöne Zeit mit vielen neuen Eindrucken, Informationen und spannenden Fakten sowie Anregungen, um sein eigenes Verhalten künftig noch mehr zu hinterfragen. In diesem Sinne: Nach dem GREEN SCREEN ist vor dem GREEN SCREEN. Das Warten auf September 2020 beginnt.

 

🌱 📺 🎥 🌱 📺 🎥 🌱 📺 🎥 🌱 📺 🎥 🌱 📺 🎥 🌱

 

 

Teile diesen Beitrag