oHnig – eine Alternative?

Honig ist nicht vegan*. Zugegeben, dass ist keine allzu große Überraschung, aber wusstet ihr, dass es den seit Längerem auch vegan gibt? Bereits vor einigen Jahren habe ich veganen Honig auf einer Messe entdeckt und probiert! Damals fand ich ihn gar nicht so schlecht. Allerdings hat es für den Kauf dann doch nicht gereicht.

Manchmal hat man aber diese Momente, in denen es gern ein schöner Tee mit Honig sein darf. Ach, was wär das was! Aber nein, Tee für mich nur pur oder mit Agavendicksaft. Das ist natürlich nicht das gleiche wie früher 🙂 Nach der ersten ausgestandenen Erkältung im letzten Winter und einem kleinen Honigbrot-Jieper landete dann aber doch mal eine Honigalternative in meinem Einkaufskorb, und zwar Fräulein Emmas oHnig. Im Regal neben all den normalen Honigs hätte ich ihn fast übersehen, so gut verstehen sich diese kleinen Gläschen auf die Tarnung. Die Namensgebung tut natürlich ihr Übriges 😉

 

 

Ich finde den oHnig richtig gut! Natürlich, es ist kein echter Honig, aber für mich kommt er schon nahe an dieses Honig-Gefühl ran, wirklich. Funktioniert super auf Brot und auch im Tee. Wahrscheinlich kann man damit auch gut Honig-Senf-Dressing mixen. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert. Neben Holunderblüte (meine Wahl) gibt es ihn auch noch in den Sorten Blütenmix und Lavendelblüte.

Von mir gibt es eine klare Probierempfehlung. Falls ihr mal auf einer Messe oder in eurem Reformhaus die Möglichkeit habt eine Honig-Alternative auszuprobieren: langt zu! 🙂

 


*Ist Honig vegan? Schwieriges Thema.

Wieso ist Honig eigentlich nicht vegan? Nun, zu aller erst definiert sich vegan (für die meisten von uns) als eine Ernährungsform frei von jedweden tierischen Produkten, also keine Produkte für die ein Tier getötet werden muss (Ei und Milch ist i.O. = vegetarisch) oder ausgebeutet (keine tierischen Produkte = vegan).

Honig ist ein schwieriges Thema. Ich selbst habe es am Anfang einfach ausgespart, keinen Honig konsumiert und eine Entscheidung vertagt. Ich konnte mir keine wirkliche Meinung bilden. Immerhin gibt es Honig essende Veganer, höre und lese ich zumindest ab und an. Das ist vielleicht so ähnlich, wie ein Fisch essender Vegetarier. Aber, wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen dem Konsum von Honig und dem von Milch oder Ei? Letztlich werden all diese Dinge von Tieren produziert. Wir nehmen es ihnen dann weg und konsumieren es selbst.

Während es sich jedoch leicht erklären lässt, wieso Fleisch* nicht vegan ist und auch die Zuordnung von Milch** zu den nicht-veganen Lebensmittel auch noch ziemlich leicht fällt, wird es beim Ei*** schon schwieriger und scheint beim Honig teilweise völlig unklar zu sein.

(*Fleisch: dafür werden Tiere getötet; **Milch: Kühe werden quasi Dauerschwanger gehalten, die Kälber werden ihnen weggenommen und oft fast sofort geschlachtet. Die Hochleistung der Kühe führt zu einem viel zu kurzen Leben, welches viel zu oft mit viel Gewalt verbunden ist und unter nicht artgerechten Bedingungen stattfindet; ***Ei: u. a. eine nicht artgerechte Haltung, aber auch Hochleistungszucht und Kükenschreddern)

Während wir also für Fleisch, Milchprodukte und Eier relativ genau ausmachen können, was hier nicht vegan ist, fällt es uns schwer, diese Einordnung auch für Honig vorzunehmen. Was ist jetzt aber das Problem mit dem Honig? Hier einmal drei Aspekte.

1) Die Bienen produzieren den Honig in mühevoller Kleinstarbeit.

Die Biene sammelt Nektar in dem sie ihn mit ihrem Rüssel aufsaugt, dabei kann sie in ihrem Transportorgan, der Honigblase, etwa 30 mg aufnehmen. Zurück im Nest übergibt sie den Inhalt ihrer Honigblase an eine andere Biene. Dies wiederholt sich unzählige Male. Auf diesem Weg wird der Wassergehalt reduziert und es werden bieneneigene Sekrete zugesetzt. Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40.000 mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120.000 km zurücklegen, das entspricht etwa einer dreimaligen Umrundung des Äquators.

2) Bienen benötigen den Honig zur Überwinterung.

Das den Bienen vom Imker zur Verfügung gestellte billige Ersatzprodukt Zuckerwasser kann dem Honig nicht gerecht werden, was die Bienen anfälliger gegenüber äußeren Einflüssen macht (z. B. Schutz vor verschiedenen Milbenarten).

Dem Honig werden durch das vielfache Weitergeben von Biene zu Biene Enzyme beigesetzt. Einige davon spalten die Kohlenhydrate auf und verändern damit die Zuckerzusammensetzung. Neben Zucker enthält Honig u. a. aber auch sehr gering Mengen an freien Aminosäuren, Mineralstoffen, Vitaminen, Eiweißen und Spurenelementen. Diese komplexe Zusammensetzung führt dazu, dass Honig hemmend auf das Wachstum von Bakterien, Viren oder Pilzen wirkt. Diese Eigenschaft nutzen wir bereits in der Humanmedizin. Aber genau diese Eigenschaft, die wir Menschen so am Honig schätzen, ist es, die auch die Bienen zur Überwinterung benötigen.

Es sei aber auch erwähnt, das nicht jeder Imker den ganzen Honig der Bienen nimmt. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen Imkern in Deutschland und dem Ausland sowie zwischen ökologisch und konventionell erzeugtem Honig.

3) Bienen in Panik.

Das Einräuchern der Bienen bei der Entnahme des Honigs dient nicht, wie oft vermutet, der Beruhigung, vielmehr suggeriert er den Bienen einen Waldbrand. Die natürliche Reaktion der Bienen auf diesen Stressor ist es, sich Proviant zu schnappen und ein neues Zuhause zu suchen. Die Bienen verschwinden also in ihrem Nest, um sich die Taschen vollzustopfen und der Imker kann sich am Honig bedienen. Dieses Verhalten führt auch dazu, dass die Bienen weniger stechlustig sind.

Das sind nur drei der Punkte die bei dem Konsum bzw. nicht-Konsum von Honig eine Rolle spielen. Sicher gibt es noch andere Dinge zu bemängeln. Beispielsweise, verringert sich die Lebensdauer der Königinnen in der Intensivhaltung enorm. Darüber hinaus setzen Imker vor allem auf die Honigbiene, welche über eine geringe Bestäubungstätigkeit verfügt als die Wildbienen. Dabei ist dies eine wichtige Ökosystemfunktion.

 

Quellen, u. a.:

Deutscher Imkerbund e. V. (o. J.): https://deutscherimkerbund.de/2-Willkommen

Deutsches Tierschutzbüro e. V. (20.09.2018): Die Situation von Bienen in der Massentierhaltung. Unter: https://www.tierschutzbuero.de/die-situation-von-bienen-in-der-massentierhaltung/

Dr. Johannes Wirz, Mellifera e. V. (26.05.2015): Zuckerfütterung und Bienengesundheit. Unter: https://www.mellifera.de/blog/biene-mensch-natur-blog/zuckerfuetterung-und-bienengesundheit.html

Hannes Borst (o. J.): https://honig-und-bienen.de/

Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (09.12.2016): Honigbiene – Bestäubung – Pollen – Honig. Unter: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/bienenkunde/aktuelles/honigbiene—bestaeubung—pollen—honig-74008.html

 

 

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