GREEN SCREEN ’18 – Es hat begonnen

Green Screen Naturfilmfestival, die Zweite! 🎬 Naja, streng genommen die Zwölfte, aber wir sind dieses Jahr erst das zweite mal – dafür aber in Folge – dabei.

Eckernförder Gespräche 2017, Green Screen
© Volkmar Fritz | 2018

Dienstagabend wurde das diesjährige GREEN SCREEN Naturfilmfestival durch die Eckernförder Gespräche eingeleitet, einer Talkrunde zum diesjährigen Titelthema Artenvielfalt bzw. deren Verlust, moderiert von Michael van Bürk (Green-Screen Pressesprecher), mit Vertretern aus Politik (Jan Philipp Albrecht, Umweltminister SH), Wissenschaft (Prof. Dr. Volker Mosbrugger, Forschungsinstitut Senckenberg Frankfurt), Wirtschaft und Agrarindustrie bzw. Nachhaltigkeit. Hier bin ich mir nicht ganz einig, in welche Kategorie ich den Demeter-Landwirten (Detlef Hack) und den Herrn vom BASF (Andreas Schumacher, Abt. Nachhaltigkeit) stecken soll. Mit dabei auch wieder der Festivalleiter himself: Dirk Steffens (u. a. Terra X). Dieser stieß allerdings mit einiger Verspätung erst etwa zur Halbzeit dazu. Vorher befand er sich noch bei der Aufzeichnung von Markus Lanz. (Die ich mir im übrigen im Nachgang auch noch angeschaut habe. Oskar Lafontaine und der Journalistin Elisabeth Niejahr wurden für meinen Geschmack zu viel Sendezeit eingeräumt und die Anmerkung das Unterbrechen von Frauen betreffen, hätte sich Lanz auch sparen können…)

Zähes nebeneinanderher sprechen, bis Dirk Steffens die Runde betrat

Die Talkrunde wirkte streckenweise etwas zäh. Sie war technisch aber durchaus besser organisiert als im letzten Jahr, sieht man davon ab, dass dem Demeter-Landwirten streckenweise das Mikrofon ausfiel – und auch die nächsten drei (!), die ihm daraufhin gereicht wurden.

Die Runde stand zwar unter dem Motto Artenvielfalt – Vernichten wir unsere Lebensgrundlage?, gesprochen wurde aber hauptsächlich über die Landwirtschaft. Auch wenn einige Teilnehmer der Runde natürlich darauf drängten, dass nicht sie allein Schuld an der derzeitigen Misere ist – klar, dem stimme ich zu – und dass die Wissenschaft nicht immer sicher ist, wieso eine Art verschwindet – klar, dem stimme ich ebenfalls zu. Damit jedoch zu suggerieren, dass die konventionelle Landwirtschaft keinen oder nur einen sehr geringen Beitrag an der Situation hat, ist scheinheilig. – Über lange Teile wurde sich an Einzelheiten der EU-Agrarpolitik aufgehangen, an Subventionen und Grünstreifen. Vermutlich war das jedoch auch der Teilnehmerwahl geschuldet.

Die Talkrunde an sich war in Blöcke gegliedert, eingeleitet von kleinen Filmsequenzen (Racing Extinction, Ausgebrummt – Inektensterben in Deutschland, Käfer, Hummeln, Schmetterlinge – Sterben die Insekten aus?). Daher konnte zunächst wohl auch keine richtige Diskussion aufkommen. Als Dirk Steffens jedoch das Podium der Eckernförder Gespräche beitrat, kam merklich Leben in die gute Stube, trotz klarem Ablaufplan. Still wurde es zu diesem Zeitpunkt um den Vertreter vom BASF. Er kam mit seinen Wortmeldungen im Allgemeinen auch nicht ganz so gut beim Publikum an. Als qualifiziert, zielführend und hilfreich empfand ich die wissenschaftlichen Einschübe von Prof. Dr. Mosbrugger. Für mich eine der wichtigsten Stimmen, die die Frage des Abends „Vernichten wir unsere Lebensgrundlage?“ eindeutige mit „Ja“ beantwortete.

Fragen aus dem Publikum

Als das Publikum zum Schluss Fragen an das Podium stellen konnte, gab es auch hier vielfältige Beiträge. Eine Frage blieb jedoch bis zum Schluss eher unbeantwortet: Was können wir denn jetzt tun, um zu verhindern, dass wir unsere Lebensgrundlage vernichten? Eine Antwort aus dem Publikum u. a.: Grünstreifen. Und da hatten wir sie wieder, die Debatte um die EU-Agrarpolitik. Dirk Steffens sagte hierzu sinngemäß sehr passend, wenn wir uns im klein der politischen Vorschriften aufhängen, verfehlen wir die eigentliche Problematik. Wie können wir es also schaffen, dass Nachhaltigkeit sich wirtschaftlich besser auszahlt?

Nichts wirklich neues

Für mich bleibt unterm Strich: Bildung! Wir müssen viel mehr investieren, sowohl Zeit als auch Geld, um die Bevölkerung aufzuklären. Wir müssen es schaffen, dass sich nachhaltiges Handeln lohnt. Das Einpreisen von Umweltschäden muss normal werden. Außerdem müssen Landwirte von ihrer Arbeit leben können, gut leben. Discounter dürften nicht länger die Preise für Produkte diktieren. Verbraucher – auch Geringverdiener – müssen in der Lage sein, sich gutes Essen leisten zu können. Genau an diesem Punkt ist dann nach wie vor die Politik gefragt, vielleicht ja sogar in Gestalt von Jan Philipp Albrecht. Denn dieses Problem zu lösen, kann nicht einfach an die Konsumenten weitergegeben werden, Industrie und Politik können sich hier nicht einfach raushalten. Leider sind das für mich allerdings keine neuen Erkenntnisse. Nichts desto trotz lohnen sich die Eckernförder Gespräche für mich jedes Jahr aufs neue. Sie regen zum Nachdenken und Diskutieren an und das ist wichtig.


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