Buch: Der Gotteswahn von Richard Dawkins

In letzter Zeit habe ich mich mal wieder etwas schwererer Kost gewidmet. Neben meinen bereits erwähnten Schundromanen, schafft es auch immer mal wieder „richtiger“ Lesestoff bis zu mir durchzudringen 🙂 Diesmal war es das Buch Der Gotteswahn von Richard Dawkins.

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Als das fast 600 Seiten umfassende Buch 2006 erschien, stand es in Großbritannien, Kanada und den USA wochenlang oben auf den Bestsellerlisten. Auch die deutsche Übersetzung erklomm nach Veröffentlichung 2007 die Bestsellerlisten (auf Anhieb Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste) (1)

Worum geht es in dem Buch?

Dawkins vertritt die These, dass der Glaube an einen Gott irrational ist, dass Religion in ihren Ausprägungen weitreichende negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat, dass sie fortschrittsfeindlich und zerstörerisch ist. Dawkins zielt mit seinen Worten auf den Kern des Glaubens, er zweifelt die Existenz Gottes an („Gott existiert mit ziemlicher Sicherheit nicht.“ – R. Dawkins, Der Gotteswahn) und unterlegt dies mit den Argumenten der Naturwissenschaft. Er greift keine bestimmte Version von Gott oder Götter an, vielmehr wendet er sich „gegen Gott, alle Götter, alles Übernatürliche, ganz gleich wo und wann es erfunden wurde oder noch erfunden werden wird“ (R. Dawkins, Der Gotteswahn).

Kritik:

Schon das Vorwort macht einem klar, mit welcher Art von Lektüre man sich in den nächsten Stunden beschäftigen wird, denn es beginnt mit einem Gedankenexperiment. Dawkins fordert den Leser auf, sich eine Welt ohne Religion vorzustellen.

„Stellen wir uns doch mit John Lennon mal eine Welt vor, in der es keine Religion gibt – keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung von Juden als „Christusmörder“, keine „Probleme“ in Nordirland, keine „Ehrenmorde“, keine pomadigen Fernsehevangelisten im Glitzeranzug, die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen („Gott will, dass ihr gebt, bis es wehtut“). Stellen wir uns vor: keine Zerstörung antiker Statuen durch die Taliban, keine öffentlichen Enthauptungen von Ketzern, keine Prügel auf weibliche Haut für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen.“

Bereits bei diesen Worten hatte Dawkins mich völlig. Ich war wie gefesselt von diesem Buch.

Ich möchte an dieser Stelle auf eine langwierige Zusammenfassung des Inhaltes verzichten. Das haben andere vor mir bereits viel besser getan als ich es je könnte. Auch das Aufzählen von weiteren in meinen Augen besonders gut gelungen Passagen möchte ich verzichten, denn es gibt unglaublich viele in diesem Buch. Stattdessen möchte ich dieses Buch allen wärmstens ans Herz legen. Egal, ob gläubig oder nicht. Besonders aber auch denjenigen, die sich noch nicht ganz sicher sind, wo sie stehen. Meiner Ansicht nach, ist es unabdingbar, dass man sich mit den in diesem Buch aufgeführten Aspekten des Glaubens bzw. der Religion auseinandersetzt, um die Frage „Glaube ich an Gott?“ für sich wirklich und ehrlich beantworten zu können.

Dawkins schreibt flüssig, wortgewandt, präzise, bissig und humorvoll. An seinem Standpunkt lässt er keinen Zweifel.

Dawkins erntete für sein Buch natürlich nicht nur Lob, sogar aus den eigenen Reihen hagelte es Kritik. So mahnte Reinhold Leinfelder (Generaldirekt des Berliner Museums für Naturkunden 2006 – 2010), „Wissenschaft muss sich auf das begrenzen, was sie analysieren kann, sie darf nicht darüber hinausgehen“ (2). Selbst an der Seriosität Dawkins wurde gezweifelt. Der britische Zoologe Kurt Kotrschal sagte: „Kein Naturwissenschaftler, der seine Sinne beieinander hat, benutzt seine Wissenschaft, um zu belegen, dass es Gott gibt oder nicht. In der Wissenschaft geht es um testbare Hypothesen, die Existenz Gottes ist keine testbare Hypothese“ (1). Dawkins schlagfertige Antwort: „Die Gotteshypothese ist eine wissenschaftliche Hypothese über das Universum, die man genauso skeptisch analysieren sollte wie jede andere auch“ (2). An dieser Stelle verweist Dawkins dann oft auf die auch in seinem Buch beschriebene Parabel von Bertrand Russell, das Gedankenexperiment von der winzigen Teekanne im Weltall, so winzig klein, dass selbst das beste Teleskop sie nicht erkennen kann. Während es in Ordnung ist, die Existenz dieser Teekanne anzuzweifeln, selbst wenn sie sonntags als heilige Wahrheit verkündet würde, gilt die wissenschaftliche Prüfung als „unerträgliche Überheblichkeit der menschlichen Vernunft“, sobald wir die Teekanne Gott nennen (R. Dawkins, Der Gotteswahn).

Fazit:

Richard Dawkins Der Gotteswahn ist gewiss keine leichte Kost, dafür aber qualitativ und daher lohnend. Zu recht heißt es in der Beschreibung des Verlages: Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema eindeutig und überzeugend Position bezieht – brilliant und bei aller Schärfe humorvoll (3).

Diese Buch ist eine absolute Kauf- vor allem aber Leseempfehlung. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Erschienen 2007 im Ullstein Buchverlag. Taschenbuch: 11,99 €;  eBook 9,99 €. 📚

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(1) Kep/Pro (02.10.2007): Der Dawkins-Wahn: Wissenschaftler kritisieren „neuen Atheismus“. Unter: http://www.livenet.de/themen/wissen/schoepfungswissenschaft/136874-der_dawkinswahn_wissenschaftler_kritisieren_neuen_atheismus.html

(2) Peter Meroth und Hans-Hermann Klare (06.10.2007): Der Gotteswahn. Unter: http://www.stern.de/panorama/wissen/mensch/richard-dawkins-der-gotteswahn-3264578.html

(3) Ullstein Verlag (o. J.): Der Gotteswahn. Unter: http://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-gotteswahn-9783548376431.html